Durch zwei Mini-Fenster fällt Tageslicht in den kleinen Keller im Souterrain. Rolf zeigt auf den Boden. «Die langen Bodenbretter da vorne haben wir aus einem Abbruchhaus übernommen und die breiten Pressholzplatten unter uns standen vorher als Zwischenwände hier drin.» Mit Rolf ist man grundsätzlich per Du, genau wie mit seinem Kollegen Toni. Die beiden Pensionäre sitzen an Rolfs Arbeitsplatz – es ist einer von fünf. Die Tische und Stühle sind zusammengewürfelt. Die unzähligen Werkzeuge an der Wand und die Werkbank «alles secondhand», sagt Rolf. Er ist Präsident des Vereins «Reparaturia», den er 2021 zusammen mit Toni gegründet hat.
Jeden Mittwochnachmittag können Quartierbewohnende aus Seebach und Oerlikon ihre kaputten Sachen gemeinsam mit dem fünfköpfigen «Reparaturia»-Team flicken. «Dank Gehdistanz zum Bahnhof Oerlikon kommen die Leute sogar von ausserhalb der Stadt zu uns», betont Rolf. «Wir arbeiten immer zu zweit, jemand von uns mit einer Besucherin oder einem Besucher.» Radios, Mixer, Toaster, Staubsauger, Kinderwagen, aber auch Spielsachen und Kaffeemaschinen: 70 bis 80 Prozent der Dinge lassen sich reparieren – manchmal auch mithilfe von YouTube, dem Fixit-Reparaturhandbuch oder ihren selbst gefertigten Reparaturprotokollen. «Wenn die Leute ihre Gegenstände selber flicken können», sagt Toni, «macht sie das total glücklich.» Und Rolf bestätigt: «Die Leute verlassen unser Repair-Café meistens mit einem Lächeln im Gesicht.» Das sei, nebst dem Tüfteln, etwas vom Schönsten an dieser Arbeit. «Reparaturia» hat inzwischen eine kleine Stammkundschaft, und einige Leute im Quartier kommen ab und an einfach auf einen Schwatz in den Reparaturkeller – ein willkommener Treffpunkt.
Eine offene Tür an der Jungstrasse
Als die beiden Gründer vor fünf Jahren mit «Reparaturia» starteten, ging es ihnen noch gar nicht so sehr um die Nachhaltigkeit. «Wir hatten vor allem Freude am Reparieren und wollten etwas machen, wo wir mit Leuten in Kontakt kommen», erinnert sich Toni. So sei die Idee eines Repair-Cafés entstanden. Also fuhren die beiden Freunde mit dem Velo durch die Quartiere von Seebach bis Affoltern und durch Oerlikon, klingelten bei den Leuten und fragten nach einem Raum für ihre Werkstatt. Beim ehemaligen Hausbesitzer der Jungstrasse 17 stiessen sie auf eine offene Tür und richteten ihre Werkstatt samt Ersatzteillager ein. Kurze Zeit später kaufte die Stiftung PWG das bald hundertjährige Haus.
Soziales fördern, Ressourcen schonen
«Den schulfreien Mittwochnachmittag haben wir gewählt, weil wir Kindern und Jugendlichen vermitteln wollen, dass Dinge zu reparieren eine tolle Sache ist und Spass macht», erklärt Rolf. Die beiden sind durch das Reparieren noch ressourcenbewusster geworden. «Da verfolgen wir die gleichen Ziele wie die Stiftung PWG. Soziales fördern und Ressourcen schonen». Die Stiftung PWG reisse auch nicht einfach Häuser ab, sondern erneuere sie wenn möglich. Toni fügt an: «Viele Dinge lassen sich ganz einfach reparieren, und wenn nicht, können wir Teile davon wiederverwenden.» Flickten sie im ersten Jahr noch 90 Gegenstände, sind es heute jährlich über 450.
«Reparaturia» ist inzwischen eng vernetzt mit den Quartiervereinen Seebach und Oerlikon, der Nachbarschaftshilfe und natürlich dem Verein «zuerich.repair». Manchmal leisten sie Spezialeinsätze, etwa wenn sie kaputte Dinge mit dem Veloanhänger abholen, weil jemand nicht mehr gut zu Fuss ist. «Aber das sind Ausnahmen», betont Rolf. Am wichtigsten ist und bleibt der Mittwoch von 14 bis 18 Uhr. Und: «Trotz befristetem Mietvertrag denken wir noch lange nicht ans Aufhören. Wir hoffen auf eine gute Nachfolgelösung für unsere Werkstatt.»
Reparaturia, Jungstrasse 17, 8050 Zürich, reparaturia.ch
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Sabina Galbiati
Text -
Jasmin Frei
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