Stiftung für billige Wohnungen: eine Schwester für die PWG?
Statt vier Initiativen, die in unterschiedlicher Weise mehr zahlbare Wohnungen fordern, schlug der Stadtrat im Januar 2011 eine neue Stiftung vor. Sie soll «kostengünstige» Wohnungen bereitstellen.
Die Stadt Zürich hat heute schon drei Stiftungen im Wohnbereich: Die Stiftung für Alterswohnungen, die Stiftung für kinderreiche Familien und die Stiftung PWG. Nach dem Willen des Stadtrates soll eine vierte das zustande bringen, was vier hängige wohnpolitische Volksinitiativen fordern. Das «vierte Stuhlbein», wie es Stadtrat Martin Vollenwyder ausdrückte, soll «kostengünstigen Wohnraum» schaffen, der auch für Leute mit schmalem Budget erschwinglich ist.
Dazu soll die neue «Stiftung für kostengünstige Wohnungen» mit einem Grundkapital von 75 Millionen Franken ausgestattet werden. Sie soll Wohnungen bereitstellen, die einen bewusst einfachen Standard und bescheidene Flächen aufweisen. Wie bei der Stiftung PWG soll ferner auf die genügende Belegung der Wohnung geachtet werden. Die NZZ kommentierte das Vorhaben skeptisch. Ganz falsch seien die Massnahmen des Stadtrates ja nicht, doch das Grundproblem bleibe (27.1.2011).
Auch im Gemeinderat kam die Idee schlecht an: Es war die Rede von einer «Ghettostiftung», die für die «Ärmsten an lauten Strassen» baue. Die Wohnungsnot treffe aber auch den Mittelstand. Statt dieser Stiftung forderte eine Mehrheit aus SP, Grünen, AL, CVP und EVP eine reine Finanzierungsstiftung. Sie würde Land zu Marktpreisen erwerben und dieses dank Abschreibungen günstig an Genossenschaften oder die Stiftung PWG abgeben.
Der Stadtrat lehnte aber eine solche Lösung ab, wie er anfangs Februar 2012 bekannt gab: Grundstücke kaufe die Stadt heute schon, dazu brauche es keine Stiftung. Ausserdem gebe es rechtliche Einwände gegen eine «Abschreibungsstifung». Stattdessen hielt der Stadtrat an seiner Wohnstiftung fest: Neu wollte er aber ihre ökologische Ausrichtung verstäken, zusätzlich sollte die Stiftung auch günstige Gewerberäume vermieten. Dazu sollte sie neu mit 80 Millionen Franken ausgestattet werden (NZZ und Tages-Anzeiger, 2.2.2012).
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